Und sie waren unsere Nachbarn…

Im Geschichtsunterricht der Mittelstufe setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung von jüdischen Mitmenschen zur Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Um die Bedeutung von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auch regional nachvollziehen zu können, unternehmen die Schülerinnen und Schüler in der 10. Klasse eine jährliche Gedenkstättenfahrt zu Orten, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.


In diesem Jahr führte die Exkursion nach Bocholt: Im dortigen Lernwerk gibt die Ausstellung „Und sie waren unsere Nachbarn…“ einen Einblick in das Schicksal jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Bocholt, die 1941 in das Rigaer Ghetto verschleppt wurden. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf den Ereignissen im Rigaer Ghetto, wo Tausende lettische Jüdinnen und Juden Opfer eines Massenmordes wurden. Nachdem Lisa Resing vom Bocholter Stadtmuseum den Schülerinnen und Schülern zunächst allgemeine Informationen zum Aufstieg der Nationalsozialisten und dem Leben der Bocholter Juden vorgetragen hatte, die im Erdgeschoss des Lernwerkes aufbereitet worden waren, besuchten die Kurse anschließend das im Obergeschoss installierte Ausstellungsprogramm „Zwei Tage im Winter – Zachor: erinnere dich!“ des Bremer Künstlerehepaars Dagmar Calais und Chris Steinbrecher. Dieses erinnert besonders eindrucksvoll an das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Lettland und der jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Bocholt, die der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum Opfer fielen. Wer die Ausstellung nicht persönlich besuchen konnte, der kann sich mit freundlicher Genehmigung der Stadt Bocholt und der beiden Künstler durch die Broschüre (Download) einen Eindruck von deren Wirkung verschaffen.
Während des Holocausts ermordeten die Nationalsozialisten sechs Millionen Jüdinnen und Juden. Um an die Einzelschicksale zu erinnern, die sich hinter dieser schier unvorstellbaren Zahl verbergen, besuchten die Kurse neben der Ausstellung im Lernwerk auch die Stolpersteine in der Bocholter Innenstadt. Dabei stellten die Schülerinnen und Schüler an den ehemaligen Wohnorten der Verfolgten die Namen und Geschichten der jüdischen Bürgerinnen und Bürger vor. Der Rundgang endete am Standort der ehemaligen Synagoge, an die heute ein Gedenkstein erinnert. Wer mehr über die Stolpersteine und das Schicksal der Juden in Bocholt oder im eigenen Heimatort erfahren möchte, der findet eine interaktive Karte auf der Seite “Stolpersteine NRW: Gegen das Vergessen!” (https://stolpersteine.wdr.de/web/de/).

Wir bedanken uns herzlich beim Lernwerk für die tiefgehenden und nachhaltigen Eindrücke zum Schicksal der jüdischen Nachbarn aus Bocholt. Die Schicksale zeigen deutlich auf, wie wichtig das Motto der Ausstellung auch 80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz bleibt: “Zachor – erinnere dich!”