Wasser – Die Ressource des 21. Jahrhunderts

„Nicht mein Problem“, mag sich manch einer der Oberstufenschüler zunächst gedacht haben, nachdem die Fachschaften Erdkunde und Sozialwissenschaften zu einem Vortrag über „die regionale und weltweite Bedeutung der Ressource Wasser“ eingeladen hatte.
Aufhorchen ließ allerdings schon der Referent: Mit Prof. Dr. Martin Keulertz hatte sich ein renommierter und weltweit aktiver Experte auf diesem Gebiet auf den Weg nach Burlo gemacht.

Nach seiner Promotion am King’s College, London, war Keulertz u.a. an Universitäten in Deutschland, Texas und Indiana tätig; er war Mitorganisator des Welt-Wasser-Kongresses, hat Aufsätze und Bücher zum Thema verfasst und arbeitet derzeit als Assistant Professor an der Amerikanischen Universität in Beirut. Nahrungsmittel- und Wassersicherheit in der „MENA-Region“ (Mittlerer Osten und Nordafrika) sind sein Forschungsschwerpunkt.

Keulertz referierte zunächst kurz über die Trinkwassergewinnung in Deutschland und verdeutlichte dessen Qualität. Er umschrieb dagegen Probleme bei Gewinnung, Vermarktung und Vertrieb von Flaschenwasser und beleuchtete kritisch die Rolle globaler Konzerne. Im weiteren Verlauf erklärte er, dass im Vergleich zum täglichen Haushaltswasserverbrauch der unbewusste, aber um ein Vielfaches höhere indirekte Wasserverbrauch z.B. im Bereich der Lebensmittelerzeugung – auch in weit entfernten Regionen – ein viel zentraleres Problem sei.

Kritisch veranschaulichte Prof. Keulertz den enormen Verbrauch von Wasser vor allem bei der Produktion von Fleisch und rief die Schüler dazu auf, ihr Ernährungsverhalten zu überprüfen zu Gunsten eines vermehrten Konsums pflanzlicher Nahrung.
In diesem Zusammenhang wies der Experte auf einen neuen Trend im Bereich der Nahrungsmittelindustrie hin, der bei den Zuhörern ungläubiges Staunen hervorrief: Ein Start-up für Fake-Fleisch aus den USA habe jetzt auf einer Pressekonferenz einen rein pflanzlichen Burger vorgestellt, der alle Eigenschaften von echtem Fleisch haben soll. 80 Millionen Dollar haben die Entwickler in die Forschung gesteckt. Das Ziel: einen Veggie-Burger zu entwickeln, der sogar überzeugte Fleischesser zufriedenstellen soll. Wie schwierig allerdings das Unterfangen sei, zeige sich bereits an dem Namen des Start-ups “Impossible Foods“, frei übersetzt mit “Unmöglich herzustellendes Essen“.

Nach einem Blick auf die Regionen, die von Wasserknappheit betroffen sind (Afrika, China, Indien, Naher Osten, West-USA), und auf das zukünftige politische Konfliktpotential des Themas Ressourcenknappheit schlug der Professor den Bogen zurück zu der Frage, inwiefern das Thema daher auch und gerade für eine junge Generation in Deutschland von Bedeutung ist und wie Lösungsansätze aussehen könnten.

Beeindruckt und nachdenklich verließen viele Jugendliche und junge Erwachsene den Vortrag – und wohl vielfach mit dem Gefühl, dass dieses vermeintlich entfernte Thema doch auch „mein Problem“ ist.

 

 

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