HALTlose PROSA

HALT … Prosa! Lose Prosa? Oder wirklich HALTlose PROSA?

HALT! Bevor es für die Mariengardener SchülerInnen der Jahrgangsstufe 9, der Einführungs- und der Qualifikationsphase am vergangenen Freitag, dem 22.09.2107, nach der ersten Stunde erst zur dritten wieder in den Unterricht ging, lauschten deren Ohren den erlesenen Ergebnissen, die die beiden jungen Nachwuchsautorinnen Andrea Friedel und Anna-Lena Brandt im Forum Mariengarden von 9.10 Uhr bis zur großen Pause um 10:15 Uhr zu Gehör brachten. Vorausgegangen war dieser Dichterlesung ein an junge Schreibtalente adressierter literarischer Wettbewerb, den zum zweiten Mal nach fünf Jahren der ASCHEBERG MARKETING E.V und die Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit, Münster, ausgelobt hatten. Nachdem die Fachjury acht herausragende NachwuchsschriftstellerInnen unter den Bewerbern aus dem deutschsprachigen Raum ausgewählt hatte, trat an die Stelle eines Preisgeldes in der vergangenen Woche der Gewinn, an einem literarischen Workshop in Ascheberg, der von vier namhaften Autoren und Lektoren begleitet wurde, teilzunehmen. Mit ihnen und untereinander tauschten sich die jungen Preisträger über ihr Schreiben, das (Vor-)Lesen, über Literatur, das Leben … aus. So entstanden u.a. die Textfassungen, die die vom Lektor und Autor Uwe-Michael Gutzschhahn begleiteten Autorinnen Andrea Friedell, Stuttgart, und Anna-Lena Brandt, Hüllhorst, den ca. 350 erwartungsfrohen Unterrichtsverhinderten vorlasen.

Zur Einstimmung hatte Gabriel van Dehn, Q 1, Lied 16 aus Robert Schumanns „Dichterliebe“, einem Heinrich Heines Gedichten gewidmeten Liederzyklus, sinnfällig ausgewählt. Nach seinem hingebungsvollen und virtuosen Klavierspiel zog die Germanistik und Geschichte studierende Andrea Friedel das Auditorium mit einem 20seitigen Erzählausschnitt aus „Warten auf“ Wort für Wort in ihren Bann, handelte er doch von der jungen Jordanie , die gerade abgenabelt, in ihren vier Wänden auf sich allein gestellt in Erwartung ihres Freundes – kurz vor dem „ersten Mal“ – ihre Gedanken sich dem Tod nähernden Mitmenschen widmet. Sie scheint nichts von dessen Leichtigkeitslebensgefühl zu haben, dem ihre Gedanken geradezu entgegensteuern, und doch folgt sie ihm – gleichsam schwebend. – Anna-Lena Brandts Erzählung „Hinter Gittern“ ließ sich als Bewusstseinsstrom eines Menschen vernehmen, der damit zu ringen hat, den ihn einschließenden Raum zu verlassen. Um welche Art des Eingeschlossenseins handelt es sich? Diese Frage inspirierte zu mehr als einer Antwort.

Angeregt von dieser außergewöhnlichen Lesung und stimuliert durch die gefühlte Nähe zu den Autorinnen ließen es sich die ZuhörerInnen nicht nehmen, die ihnen auf den Nägeln brennenden Fragen zu stellen: Warum sind Sie Autorin geworden? Wie nah fühlen Sie sich den Figuren Ihrer Geschichten? Wie fängt man überhaupt eine Erzählung an – nach Plan oder einfach mit dem ersten Satz? Wo liegen die Inspiratonsquellen? Inwieweit können die vom Lektor vorgeschlagenen Veränderungen den eigenen Text verfremden? …

Goethe, Keller, Kafka – Lichtgestalten der Literatur, von deren Glanz ein Schüler/eine Schülerin auf dem Weg zum (Zentral-)Abitur durchaus etwas abbekommen kann – Eure Hoheit kann man ja all das nicht mehr fragen. Aber wer weiß, vielleicht ist von den beiden Nachwuchstalenten, die sich zum krönenden Abschluss von HALTlose PROSA diesen Fragen bestechend ehrlich stellten, auch in Zukunft noch Außergewöhnliches, eben HALTlose PROSA, zu hören. Wir wünschen es ihnen und uns.

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